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Interview mit Tanja Seehofer: Yoga gegen Burnout

„Wie heilsam und schön ist es doch im Leben, sich selbst zu begegnen.“ Was dieser Satz genau bedeutet, lernte Tanja Seehofer erst nach einem schweren Burnout. Nach 19 Jahren als Casterin in einer bekannten Filmproduktion kündigte sie und widmet sich seitdem ganz dem Yoga mit Schwerpunkt Yin Yoga, Burnout-Prävention, Meditation und Stressmanagement. Im Interview mit Stefanie Roloff von fitnessRAUM.de gibt die Seelenexpertin Tanja Seehofer heilsame Tipps für die Gesundung bei einem Burnout.

 

fitnessRAUM.de: Welche Symptome zeigen sich, wenn ich ausgebrannt bin und auf ein Burnout zusteuere?

Tanja Seehofer: Ich hatte selbst ein Burnout und kann deshalb gut von meiner eigenen Erfahrung sprechen. Irgendwann kommt man an einen Punkt, an dem man nicht mehr spürt, was einem zu viel wird. Man funktioniert nur noch und dann genügt ein harmloser Auslöser, manchmal nur ein Satz. Bei einer Bekannten hat einfach nur auf der Straße jemand etwas zu ihr gesagt und da ist sie voll ausgetickt. Das war der Moment, in dem sie in eine Klinik gegangen ist. Burnout ist ein schleichender Prozess. Man muss jeden Tag in sich reinspüren, sonst entstehen schnell negative Prozesse, die man übersieht. Irgendwann lügt man sich dann nur noch selbst an und verleugnet, dass man gerade in ein Burnout reinrutscht.

fR: Ein Burnout tritt normalerweise nicht von heute auf morgen auf. Lässt sich sagen, welche „Entwicklungsphasen“ man normalerweise durchläuft?

T.S.: Es gibt verschiedene Burnout-Phasen. Es beginnt damit, dass man merkt, dass alles irgendwie zu viel ist. Man möchte keine Emotionen mehr mit anderen teilen oder jemandem in die Augen gucken, weil es einem schon zu viel wird, wenn jemand etwas von einem will. Wenn man sich zurückzieht und keine sozialen Kontakte mehr haben möchte, sollte man hellhörig werden. Wenn man zudem keinen Sport mehr treibt und nur mehr zuhause rumsitzt, ist das ein großes Warnsignal. Dann sollte man nach innen lauschen und sich fragen: Was könnte sich ändern?

fR: Worin sehen Sie die Ursachen von Burnout?

T.S.: Als ich mein Buch „Yoga gegen Burnout“ geschrieben habe, hat mich gestört, dass viele gesagt haben: „Oh, ich hab einen Burnout!“ Das ist damals so ein Modewort geworden und das hat mich traurig gemacht, weil es kein Burnout ist, wenn man viel zu tun hatte und sich dann ein, zwei Tage müde fühlt.

Die Ursachen liegen meiner Erfahrung nach in den Prägungen aus der Kindheit. Meist finden sich Glaubenssätze wie „Ich bin nichts wert!“ oder „Ich bin nicht gut genug!“ unter dem Burnout. Diese führen bei vielen dazu, dass sie zu viel arbeiten und ständig Lob und Bestätigung von außen brauchen. Das sind die Triggerpunkte für ein Burnout, weil man dadurch immer über seine eigenen Bedürfnisse hinweggeht.

Solange wir nicht die Lösung bei uns selbst als Schöpfer finden, suchen wir immer im Außen etwas. Bis es viel zu viel wird und sich das Zuviel irgendwann so über einen legt wie ein Berg, sodass wir dann in ein Burnout rutschen.

fR: Wie kann Yoga gegen Burnout helfen?

T.S.: Bei mir kam das Burnout schleichend. Ich habe immer nur gemerkt, dass es mir besser ging, wenn ich beim Yoga war. Danach konnte ich alles immer von einem anderen Blickwinkel aus angehen. Ich bin schließlich in die Klinik gekommen, weil ich es alleine nicht geschafft habe und war zwei Monate dort. Wir haben in der Klinik sehr viel Yoga gemacht, um den Körper und dessen Bedürfnisse wieder mehr zu spüren. Ich hatte damals keine Beziehung mehr zu meinem Körper. Da hat Yoga super geholfen.

Für mich gehört aber auf jeden Fall auch mentales Training dazu. Auf der körperlichen Ebene alleine schafft man es nicht, aus einem Burnout rauszukommen. Man braucht beide Ebenen, damit die Seele gesund wird. Yoga heißt ja auch, Körper, Geist und Seele wieder in Einklang zu bringen.

fR: Welche Art von Yoga hilft bei Burnout am besten?

T.S.: Das ist individuell ganz unterschiedlich. In der Klinik hatten wir viel restoratives Yoga. Dabei ging es besonders um die Achtsamkeit in den Yoga-Haltungen und Affirmationen, die uns wieder in die eigene Stärke gebracht haben. Der Körper braucht Bewegung, damit Serotonin ausgeschüttet wird, deshalb sind zum Beispiel auch Sonnengrüße heilsam. Mir persönlich hat Yin Yoga am besten geholfen, deshalb habe ich mich darauf spezialisiert. Beim Yin Yoga taucht man tief ein in die körperlichen Bedürfnisse: „Wie weit gehe ich, dass ich mir in den Haltungen noch guttue?“ Das hat mir auch dabei geholfen zu spüren, wo ich mich im Alltag überfordere.

fR: Wie kann ich die Erkenntnisse aus dem Yoga in den Alltag hinüberretten?

T.S.: Da hilft achtsames Yoga am besten, besonders das achtsame Atmen in den Haltungen, damit man auch im Alltag merkt, wenn sich der Atem verändert und sich über den Atem wieder ins Hier und Jetzt zurückholen kann. Dadurch werden das Nervensystem und der Geist beruhigt und der Auslöser der Situation wird leichter gefunden. Viele leben wie hypnotisiert über die Prägungen aus der Kindheit und sehen die Realität gar nicht mehr. Wenn dann ein Trigger kommt, verlieren sie die Beziehung zum Moment und sind nur noch in ihrem eigenen Film. Yoga kann im Alltag erden und uns wieder in Kontakt mit unserer inneren Stimme bringen.

Yin Yoga kann darauf sehr gut vorbereiten, weil wir unseren Körper in den lange dauernden Haltungen sehr gut spüren. Das Hineingehen in die Übungen erfordert Ausdauer und Geduld. Das kann auf den Alltag übertragen werden, um auch länger in Situationen zu bleiben, die nicht so angenehm sind. Wir lernen, nicht davonzulaufen oder uns mit Eiscreme, einem Schuhkauf oder dem Lob des Chefs abzulenken. Je mehr wir das zulassen, desto mehr wird sich unsere Seele bedanken und uns helfen, mehr zu uns selbst zu finden.

fR: Viele Menschen betreiben großen zeitlichen und finanziellen Aufwand für Entspannungsangebote. Ist das überhaupt nötig oder stresst das vielleicht sogar zusätzlich?

T.S.: Ich habe selbst viel ausprobiert und hatte das Glück, für mich die passenden Lehrer zu finden. Bevor man viel Geld ausgibt, sollte man sich darüber informieren, was genau angeboten wird und ob einem die Lehrer sympathisch sind. Gut ist es auch, nach Empfehlungen von anderen Leuten zu gehen und das mit der eigenen inneren Stimme zu verbinden. Wenn man sich zu einem Angebot hingezogen fühlt, kann das ein Orientierungspunkt sein. Als ich zum Beispiel in die Klinik gegangen bin, wusste ich, dass ich das machen muss, weil ich es sonst nicht schaffe.

fR: Gibt es eine kleine Yoga-Übung für einen stressigen Tag im Büro?

T.S.: Ich habe 19 Jahre beim Film gearbeitet, da gab es viele stressige Situationen. Ab und zu habe ich mich für kurze Zeit ausgeklinkt und die Achtsamkeit trainiert, indem ich meinen Atem gespürt und versucht habe, langsamer und ruhiger zu atmen. Gespürt habe, ob ich meine Füße auf dem Boden fühle und meinen Po auf dem Stuhl, ob meine Gesichtszüge entspannt sind. Das ist eine gute Möglichkeit, um Fuß zu fassen im Moment. Zudem hilft auch die Wechselatmung „Nadi Shodana“. Damit die Kollegen nicht komisch gucken, kann man sich dafür kurz an einen ungestörten Ort zurückziehen.

fR: Kann man bei Burnout auch alleine zuhause Yoga praktizieren oder sollte man sich Unterstützung suchen?

T.S.: Generell würde ich dazu raten, sich bei einem Burnout psychische Unterstützung durch einen Therapeuten zu suchen. Yoga sollte man ohne Erfahrung nicht allein zuhause machen, weil man auch einiges falsch machen kann. Ich würde mir einen speziellen Yoga-Lehrer suchen, bei dem ich ein oder zwei Einzelstunden nehmen kann. Dann kann dieser Tipps für zuhause geben und auf spezielle Themen eingehen. Patienten mit Burnout können sich bei Einzelstunden sehr aufgehoben fühlen. Ein Burnout-Patient braucht viel Ruhe für Regeneration und liebvolle Wärme von außen.

fR: Wenn die kalte Jahreszeit beginnt, fühlen sich viele ausgelaugt und schlapp. Wie kann man wieder mehr Lebensenergie gewinnen?

T.S.: Man sollte sich immer etwas Gutes tun. Ich gehe zum Beispiel gerne in die Sauna. Ich meditiere zudem seit fünf Jahren täglich mit der Vipassana-Meditation nach Goenka. Für mich gibt es kaum einen stärkeren Akku als die Meditation. Wenn ich meditiere, gewinne ich neue Lebensenergie und merke, dass alles meist gar nicht so schlimm ist, wie ich es mir gedacht habe.

Wichtig ist, dass man auf sich achtet. Man kann zum Beispiel ein schönes Bad nehmen oder sich eincremen, damit es der Haut gut geht oder eine schöne CD hören, wie eine mentale Reise, die es auch auf der CD zu meinem Burnout-Buch gibt. Yoga-Nidra („bewusster Schlaf“) bringt auch viel Entspannung.

Das alles sind Möglichkeiten, um sich von innen heraus besser zu fühlen. Dann muss man nicht irgendwo hingehen und Sahnetorte essen oder Lebkuchen zur Adventszeit. Man braucht nicht so viel Süßes von außen, wenn man sich das Süße von innen selber geben kann.


Kennst du schon unsere Entspannungsprogramme auf fitnessRAUM.de? Feelgood-Yoga und Just Relax laden dich ein, aktiv Pause zu machen.

 



Tanja Seehofer, Foto von Annette StalzTanja Seehofer ist Bewusstseinsforscherin, Dipl. Intuitions-, Mental- und Wingwavecoach (u.a. Traumatherapie) sowie Entspannungstherapeutin mit dem Fokus Stressmanagement und Humanenergetik. Sie unterrichtet Yogaklassen, Retreats, Workshops sowie Weiterbildungen im In- und Ausland und ist erfolgreiche Autorin der Bücher „Yin Yoga des Herzens", „Yoga gegen Burnout - gelassen und selbstsicher im Stress" und Co-Autorin des Buches: „Seelenspur". >>  Homepage Tanja Seehofer

Aufmacher-Bild: © oneinchpunch - Fotolia.com; Porträt-Foto: © Annette Stalz