
Keine Lust auf endlose Trainingseinheiten? Statt stundenlang auf dem Crosstrainer zu trainieren oder unzählige Wiederholungen beim Krafttraining zu stemmen, setzt HIIT auf kurze, stark fordernde Belastungsphasen. So trainierst du effizient und gibst deinem Körper in kurzer Zeit wirkungsvolle Reize für Ausdauer, Kraft und Leistungsfähigkeit.
Was ist HIIT?
Das High-Intensity Interval Training – englisch für hochintensives Intervalltraining (HIIT) – verbindet intensive Belastungsphasen mit kurzen Erholungen. Während der Belastung trainierst du mit hoher, teilweise nahezu maximaler Intensität. Das beansprucht deine Muskulatur und dein Herz-Kreislauf-System stark. Darauf folgen kurze Phasen bei niedriger bis mittlerer Intensität, in denen du etwas runterfahren kannst. HIIT bedeutet zum Beispiel, dass du 10 Sekunden mit hohem Tempo sprintest, dann 30 Sekunden Pause machst und das Ganze zehnmal wiederholst.
Ziel dieser Methode ist es, mit vergleichsweise kurzer Trainingszeit effektive Impulse für deine Ausdauer, Leistungsfähigkeit und deinen Kalorienverbrauch zu setzen.
Welche Vorteile bietet HIIT?
Du glaubst nicht, dass bereits vier Minuten HIIT deutlichere Trainingsfortschritte bewirken können als eine längere, moderate Ausdauereinheit wie eine Stunde Joggen? Eine von Izumi Tabata veröffentlichte und 2019 aktualisierte Studie untersuchte ein vierminütiges, sehr intensives Intervalltraining und zeigte, dass sich damit sowohl die aerobe als auch die anaerobe Leistungsfähigkeit verbessern lässt. HIIT kann also in kurzer Zeit wirkungsvolle Trainingsreize setzen.
Strengst du dich bei den Belastungsphasen sehr an, wird deine Muskulatur stark gefordert und dein Körper nimmt besonders viel Sauerstoff auf.
Dadurch kannst du von folgenden Effekten profitieren:
- Steigerung des Testosteronspiegels
Eine sehr intensive Belastung kann zu einer vorübergehenden hormonellen Veränderung führen. Studien zeigen, dass der Testosteronspiegel direkt nach einem intensiven Training kurzfristig ansteigen kann.
- Verbesserung der VO2max
Die VO2max bezeichnet die maximale Sauerstoffaufnahme deines Körpers. Beim HIIT trainierst du wiederholt nahe an deiner individuellen VO2max und verbesserst dadurch deine Ausdauer- und Leistungsfähigkeit. HIIT kann die VO2max in kurzer Zeit deutlich steigern – abhängig von Trainingsumfang, Intervalllänge und Trainingszustand.
- Gleichzeitige Verbesserung der aeroben und anaeroben Leistungsfähigkeit
Aerobes Training bezeichnet eine körperliche Belastung, bei der der Körper die benötigte Energie überwiegend mithilfe von Sauerstoff bereitstellt. Dabei werden vor allem Fette und Kohlenhydrate als Energieträger genutzt. Bei niedriger bis moderater Belastungsintensität ist der relative Anteil der Energiegewinnung aus Fetten meist höher; mit zunehmender Intensität steigt der Anteil der Kohlenhydratverwertung. Typische aerobe Belastungen sind beispielsweise längere Ausdauereinheiten wie lockeres Joggen.
- Zwei Energiesysteme, ein Training
Je intensiver du trainierst – beim Laufen zum Beispiel je schneller du läufst –, desto stärker greift dein Körper zusätzlich auf die anaerobe Energiebereitstellung zurück. Der Energiebedarf kann dann so stark steigen, dass die aerobe Energiegewinnung allein nicht mehr ausreicht. Deshalb nutzt der Körper in diesem Fall vermehrt Glykogen aus den Muskeln und Glukose aus dem Blut, die unter anderem aus den Glykogenspeichern der Leber stammt. So können schnell Kohlenhydrate zur Energiegewinnung bereitgestellt werden.
Daraus lassen sich allerdings keine direkten Rückschlüsse ziehen, ob dein Körper insgesamt mehr Kohlenhydrate oder Fett verbrennt. Er nutzt immer beide Energieträger – in unterschiedlichen Anteilen. Durch regelmäßiges Training kann sich außerdem die Fähigkeit verbessern, Fette auch bei intensiveren Belastungen zur Energiegewinnung heranzuziehen.
- Mehr Leistung bis zum Schluss
Befindest du dich in einem Wettkampf, zum Beispiel bei einem 5-km-Lauf, und möchtest auf dem letzten Kilometer noch einmal richtig Gas geben, muss dein Körper kurzfristig deutlich mehr Energie anaerob bereitstellen. Die Energiesysteme werden dabei nicht einfach umgeschaltet, sondern arbeiten immer gemeinsam – in unterschiedlichen Anteilen.
Diese Fähigkeit trainierst du unter anderem mit HIIT. Intensive Intervalle helfen dir, bei hohem Tempo länger leistungsfähig zu bleiben und am Ende eines Wettkampfs noch zu beschleunigen. Gewöhnliche Ausdauerläufe mit gleichbleibendem Tempo trainieren dagegen vor allem deine aerobe Grundlage. Sie sind wichtig, reichen allein aber möglicherweise nicht aus, um schnelle Tempowechsel und einen kraftvollen Endspurt gezielt zu trainieren.
- Höherer Kalorienverbrauch
Intervalltraining kann in nur 20 Minuten mehr Kalorien verbrauchen als eine gleich lange Ausdauereinheit mit gleichbleibendem Tempo. So unterstützt du deinen Kalorienverbrauch und kannst leichter ein Kaloriendefizit erreichen – eine wichtige Voraussetzung für Gewichts- und Körperfettverlust.
- Erhöhte Stoffwechselrate und Nachbrenneffekt
Nach einer hochintensiven Trainingseinheit bleibt dein Sauerstoffverbrauch und damit auch dein Energieverbrauch für einige Zeit über dem Ruhewert. Dieser sogenannte Nachbrenneffekt (EPOC) kann je nach Intensität und Trainingsumfang mehrere Stunden und unter bestimmten Bedingungen bis zu zwei Tage anhalten. Auch wenn du an diesen Tagen keinen Sport machst, verbrennst du dadurch also mehr Kalorien. Der größte Teil des zusätzlichen Energieverbrauchs entsteht dabei in den ersten Stunden nach dem Training.
- Muskelaufbau
HIIT bringt nicht nur deinen Kreislauf auf Touren, sondern fordert auch deine Muskulatur. So kannst du gleichzeitig Körperfett reduzieren und fettfreie Muskelmasse aufbauen. Du dachtest, Fettabbau und Muskelaufbau funktionieren nicht zusammen? HIIT zeigt, dass beides möglich ist!
- Weniger Zeitaufwand
Neben den Vorteilen für deine Gesundheit schafft HIIT auch mehr Zeit für andere Dinge in deinem Leben. Statt eine Stunde mit gleichbleibender Intensität auf dem Stepper zu trainieren, kannst du mit einer kürzeren HIIT-Einheit vergleichbare Trainingsreize setzen. So sparst du Zeit und trainierst gleichzeitig intensiv deine Ausdauer und Leistungsfähigkeit.
Absolvierst du drei HIIT-Einheiten pro Woche mit jeweils 20 statt 60 Minuten, gewinnst du insgesamt zwei Stunden für andere Dinge, die dir Freude bereiten.
Drei Methoden, um mit HIIT durchzustarten
Fragt sich nur noch, wie du das Ganze in deinen Alltag integrieren kannst. Hier sind drei der bekanntesten Methoden mit Beispielen für dein Training:
Tabata-Methode
Vier Minuten, die es in sich haben: Das Tabata-Training wurde vom japanischen Sportwissenschaftler Dr. Izumi Tabata entwickelt und gilt als besonders effiziente Form des HIIT. In einer Studie aus dem Jahr 1996 konnten die Teilnehmenden mit vier Minuten hochintensivem Intervalltraining ihre aerobe und anaerobe Leistungsfähigkeit ähnlich effektiv verbessern wie mit deutlich längerem moderatem Ausdauertraining.
- Wie funktioniert Tabata?
Bei der Tabata-Methode wechselst du zwischen 20 Sekunden maximaler Anstrengung und 10 Sekunden Pause. Das Ganze wiederholst du achtmal – nach nur vier Minuten ist das Workout geschafft.
Klingt kurz und liest sich einfach? Vielleicht. Vor allem aber ist dieses Training schweißtreibend und richtig intensiv! Damit Tabata seine volle Wirkung entfalten kann, solltest du in den Belastungsphasen wirklich alles geben. Spätestens die letzten Intervalle werden deshalb ordentlich anstrengend.
- Wie startest du mit Tabata durch?
Tabata kannst du mit nahezu allen Übungen durchführen. Zwei Varianten haben sich dabei besonders bewährt: Burpees und Sprints.
Burpees
Für dein Tabata-Workout zu Hause eignen sich Burpees besonders gut. Dabei kombinierst du eine Kniebeuge, einen Sprung in die Liegestützposition, optional einen Liegestütz und einen kräftigen Strecksprung nach oben.
Wie viele Wiederholungen du in 20 Sekunden schaffst, hängt von deinem Trainingsniveau ab. Wichtiger als die Quantität ist, dass du die Übung sauber und mit hoher Intensität ausführst.
Sprints
Die zweite Möglichkeit ist ein Sprint-Tabata: Laufe auf dem Laufband oder draußen 20 Sekunden lang sehr schnell. Anschließend trabst du locker oder gehst 10 Sekunden, bevor du das nächste Intervall startest. Diesen Ablauf wiederholst du achtmal. Achte dabei darauf, dass Tempo und Steigung zu deinem persönlichen Leistungsniveau passen.
Insgesamt kannst du ein Tabata-Training zwei- bis viermal pro Woche durchführen. Achte darauf, dass dein Körper zwischen den Einheiten ausreichend Zeit zur Erholung hat. Ob du bereit für das nächste Training bist, merkst du häufig schon daran, wie erholt und ausgeschlafen du dich fühlst.
Ein Training könnte folgendermaßen aussehen:
- 3 Minuten leichtes Aufwärmen, zum Beispiel mit lockerem Laufen und dynamischen Bewegungen.
- 8 × 20 Sekunden Sprint oder Burpees, gefolgt von jeweils 10 Sekunden Pause.
- Leichtes Auslaufen und Dehnen.
Übrigens findest du auch auf fitnessRAUM.de eine tolle Auswahl an Tabata-Workouts.
Die Little-Methode
Die Little-Methode ist eine weitere sehr bekannte HIIT-Methode. Dr. Jonathan Little entwickelte ein 27-minütiges Training (plus Warm-up und Cooldown), das dreimal pro Woche ausgeführt wird und ähnliche Effekte wie fünf einstündige Cardiotrainings erzielen kann.
- Wie funktioniert die Little-Methode?
Bei der Little-Methode wechseln sich 60 Sekunden intensive Belastung mit 75 Sekunden Erholung bei niedriger Intensität ab. Das Ganze wird zwölfmal wiederholt. Die Intervalle absolvierst du in einem Tempo, das du 60 Sekunden lang durchhalten kannst. In der anschließenden 75-sekündigen Pause kannst du dich aktiv erholen und Kraft für das nächste Intervall sammeln.
- Wie startest du mit der Little-Methode durch?
Für die Little-Methode solltest du bereits Erfahrung mit Ausdauertraining besitzen und eine gute Grundfitness mitbringen. Such dir ein beliebiges Cardiogerät im Fitnessstudio oder steige auf dein Fahrrad und such dir eine freie Strecke.
Ein Training sieht dann so aus:
- Wärme dich 3 Minuten lang bei leichtem Tempo auf.
- Fahre oder laufe 1 Minute lang mit hoher Intensität. Danach bewegst du dich 75 Sekunden lang entspannt bei niedrigerer Intensität.
- Wiederhole alles 12-mal.
- Fahre oder laufe am Ende noch 2 Minuten entspannt aus und dehne dich.
Turbulence Training
Dieses Workout wurde von Craig Ballantyne entwickelt. Es kombiniert schweres Krafttraining mit wenigen Wiederholungen und ein- bis zweiminütigen Cardio-Intervallen. So verbindest du Kraft- und Ausdauertraining in einer einzigen, intensiven Einheit.
Das Turbulence Training eignet sich vor allem für Fortgeschrittene mit Erfahrung im Krafttraining. Wenn du deine Muskeln fordern und gleichzeitig deine Ausdauer trainieren möchtest, kannst du damit viel Zeit sparen.
- Wie funktioniert Turbulence Training?
Turbulence Training dauert bis zu 45 Minuten und kann bis zu dreimal pro Woche durchgeführt werden. Suche dir eine Kraftübung aus, zum Beispiel Kreuzheben, Kniebeugen oder Bankdrücken, und kombiniere sie mit einer Cardioübung wie Rudern, Laufen oder Seilspringen.
Führe die Cardioübung zunächst ein bis zwei Minuten lang mit hoher Intensität durch. Anschließend machst du einen Satz mit acht Wiederholungen der Kraftübung mit einem anspruchsvollen Gewicht. Danach wechselst du wieder zur Cardioübung. Diesen Ablauf wiederholst du bis zu 45 Minuten.
- Wie startest du mit dem Turbulence Training durch?
Achte darauf, ein Gewicht zu wählen, mit dem du die acht Wiederholungen sauber und kontrolliert ausführen kannst. Durch die Cardiointervalle wirst du dabei nicht das maximale Gewicht bewegen können, doch die Kombination aus Krafttraining und kurzen Cardiointervallen macht das Training intensiv und zeitsparend.
Ein Training für die Kniebeuge in Kombination mit Rudern sieht so aus:
- Rudere 2 Minuten in moderatem Tempo und führe anschließend einige Mobilisationsübungen aus, um dich auf die Kniebeugen vorzubereiten.
- Wärme dich in 2 bis 3 Sätzen allmählich bis zu deinem Trainingsgewicht für die Kniebeuge auf.
- Sobald du dein Trainingsgewicht erreicht hast, startest du mit 2 Minuten Rudern. Danach führst du 8 saubere Kniebeugen durch. Wiederhole diesen Ablauf, bis insgesamt 30 Minuten vergangen sind.
- Rudere anschließend 3 Minuten langsam aus und dehne dich.
Du siehst: Bei 15 Runden absolvierst du 15 Sätze mit idealerweise jeweils 8 Kniebeugen – also bis zu 120 Wiederholungen. Ein effektives Training in kurzer Zeit!
Fazit
HIIT ist sehr effektiv, um gleichzeitig Fett zu verbrennen und Muskeln aufzubauen. Mit der Tabata-Methode kannst du bereits in vier Minuten einen intensiven Trainingsreiz setzen. HIIT spart Zeit, bringt Abwechslung in deine Sport-Routine und lässt sich an dein persönliches Trainingsniveau anpassen. Viel Spaß beim Ausprobieren!
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Dieser Beitrag ist ein Gastartikel von Martin Auerswald aus dem Jahr 2022 und wurde von fitnessRAUM.de-Redaktionsmitglied Elisa Reznicek im August 2026 eingehend überarbeitet und aktualisiert.
Martin ist studierter Biochemiker und gibt auf SchnellEinfachGesund Tipps für eine gesunde Lebensführung. Sein Schwerpunkt liegt auf Gewohnheiten, die jeder leicht in seinen Alltag integrieren kann.








































































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